Was assoziieren Sie als Leser mit einem Krokodil? Ich erspare es mir, hier jetzt einige Adjektive aufzuzählen, bitte Sie einfach, einen Moment inne zu halten und darüber nachzudenken.

Ihre Urtümlichkeit, die Größe, die räuberische Lebensweise, die potenzielle Gefährlichkeit – all das führt zu Faszination und gleichermaßen zu Angst oder gar Abscheu gegenüber diesen faszinierenden Wesen. Was genau macht die Krokodile den so besonders?

 

Ich möchte mit der stammesgeschichtlichen Herkunft beginnen. Seit etwa 250 Millionen Jahren leben Krokodile nahezu unverändert auf unserem Planeten, sie gelten als „lebende Fossilien“. Gemeinsam mit den Vögeln bilden die Krokodile die überlebenden Verwandten der diapsiden Archosaurier (SANDER 1994), die so genannten „Herrscherreptilien“. Man unterscheidet die lebenden Landwirbeltiere anhand der Morphologie der so genannten Schädelfenster. Dies sind Aussparungen im knöchernen Schädel der Wirbeltiere.

Der Schädel der Archosaurier, weist ein weiteres Schädelfenster vor der Augenhöhle auf (das Präorbitalfenster), oft auch eine vergrößerte Nasenöffnung. Dieser Schädeltyp ist lediglich bei den rezenten Ordnungen der Krokodile und der Vögel zu finden. Dies ist wohl das wichtigste gemeinsame Merkmal dieser beiden Ordnungen, aber auch Merkmale wie ein Muskelmagen oder die nahezu vollständige Trennung der Herzkammern weisen auf eine nahe Verwandtschaft hin.

Die Krokodile werden nur aus „praktischen und traditionellen Gründen“ zu den Reptilien gezählt (NICKEL, AULIYA 2005). Phylogenetisch betrachtet sind Krokodile nicht mit den Reptilien verwandt; wie oben beschrieben, lässt sich eine Verwandtschaftsbeziehung sogar eher mit den Vögeln erkennen. Dennoch zeigen Krokodile auch einige Merkmale, die sich klassischer Weise bei Reptilien finden lassen, erwähnt seien hier eine Fortpflanzung ohne Larvenstadium, die Embryonalhülle (Amnion) sowie die epidermalen (also der Oberhaut entstammenden) Schuppen. Alle Arten der Krokodile leben amphibisch und sind somit an das Wasser gebunden.

Eine Liste der rezenten Krokodilarten ist HIER zu finden.

Die Sinnesleistungen der Krokodile sind im Vergleich zu denen anderer Reptilien unvergleichlich. Das im Vergleich zur Körpergröße kleine Gehirn ist weitaus stärker differenziert als jenes anderer Reptilien (TRUTNAU 1994). So wird das Krokodilhirn als „Meilenstein der Gehirnentwicklung“ bezeichnet: Das Hinterhirn (Metencephalon) sowie die Anlage der Rinde des Großhirn werden als phylogenetische Vorstufe zu den Gehirnen von Vögeln und Säugern bezeichnet. Dies erklärt auch das komplexe Sozialverhalten der Krokodile, die zu geradezu zu intellektuellen Leistungen fähig sind: Gerade private Halter – mich eingeschlossen – können dies bestätigen. Über Erfahrungen in diesem Bereich berichtet BROCK (1998) ausführlich.

Die Sinnesorgane der Krokodile sind ebenfalls perfekt an die amphibische Lebensweise adaptiert. So liegen Augen und Nasenöffnung oben auf dem Schädel, was dem Krokodil die Möglichkeit bietet, die Umgebung auch in nahezu vollständigem Tauchgang wahrzunehmen. Der Hör-, Geruchs- und Sehsinn sind bei Krokodilen besonders gut ausgebildet. Krokodile können die Nasen-, Ohren- und Augenöffnungen vollständig verschließen; die so genannte Nickhaut (ein drittes Augenlied) ermöglicht es den Tieren beim Tauchen wie durch eine Taucherbrille zu sehen. Das Ohr der Krokodile ist besonders gut entwickelt, was sich auf die Tatsache zurückführen lässt, dass ein erheblicher Teil der Kommunikation innerhalb einer Art über akustische Signale abläuft. Auch der Geruchssinn ist gut ausgeprägt. Das bei Schuppenkriechtieren (Squamata) auftretende Jacobsonsche Organ tritt lediglich bei der Embryonalentwicklung auf und fehlt den vollständig entwickelten Krokodilen. Echte Krokodile und Gaviale verfügen über Hautrezeptoren, die an einzelnen Bauchschuppen, im Kehlbereich sowie an der Schwanzwurzel zu finden sind. Nach JACKSON (2004) handelt es sich um Osmorezeptoren, mit deren Hilfe zwischen Süß- und Salzwasser unterschieden werden kann. Alle Familien der Krokodile verfügen über Rezeptoren in den Kiefern. Mit diesen Sinnesporen können kleinste Bewegungen des Wassers wahrgenommen werden. Dies ermöglicht den Tieren auch nachts zu jagen.

 

Fortsetzung folgt...

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